FamGo – heute mal persönlich

24. Eigentlich eine schöne Zahl: Advent. Heiligabend.

Für mich hat sie allerdings etwas gelitten: Vor vierundzwanzig Monaten erkrankte mein Mann schwer und nach vierundzwanzig Jahren verlässt er als Pfarrer die Gemeinde. Vierundzwanzig Jahre leite ich hier in Erkrath ehrenamtlich den Kinder- und Familiengottesdienst. Es war schon ein unglaublich bleiernes Gefühl, als die Veränderungen durch die schwindenden Mitgliederzahlen in unser Leben als Pfarrfamilie vordrangen.

Aber Kirche besteht zum Glück dennoch immer noch aus einer lebendigen Gemeinde, welche in den vielen Monaten, in denen ich fürchtete, drei meiner engsten Familienmitglieder zu verlieren, unglaublich viel Kraft gespendet hat. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerne in der ersten Reihe stehe und umso mehr bin ich dankbar für die unzähligen, wohltuenden Briefe, Mails und Gespräche in dieser Zeit. Auch wenn ich mich selber nicht als besonders glaubensfest einstufe, macht es riesengroße Freude, mit dem besten Team, das ich mir vorstellen kann, die Familiengottesdienste zu planen und umzusetzen.

Wir haben immer schon eine etwas unkonventionelle Art gehabt, dieses zu tun (nicht alle Geheimnisse werden verraten…), aber die strahlenden Kinderaugen und zufriedenen Eltern zeigen, dass Kirche richtig Spaß machen kann – und es völlig egal ist, ob man den ersten FamGo als „Winzie“ ein paar Tage nach der Geburt erlebt, als genervter Teenie, oder als Dauerbesucher in genau dieser Zeitspanne. Wir haben immer den Ehrgeiz, kein Thema mit einer gleichen Tätigkeit zu gestalten – und es ist uns – bis auf ein einziges Mal – gelungen. Auch Corona und andere widrige Umstände konnten es nicht verhindern, Mitmachaktionen zu machen. Wir sind gespannt, wie es nach der Reduktion auf zwei Pfarrstellen weitergeht. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass die Begeisterung der gemeinsamen Arbeit im Team erhalten bleibt.

Ein Sinnbild von dem, wie ich mir die Zukunft der Kirche wünsche, ist ein schüchternes Mädchen, das sich zu Beginn des Familiengottesdienstes von der Hand seiner Mama reißt, die kleinen Schuhe auszieht, in die Stoppersocken schlüpft und durchs Gewusel durch den Mittelgang der Kirche hüpft, sich vorne umdreht, die Arme ausbreitet und strahlt. Gesagt hat es nichts, aber im Gesicht konnte man lesen: Das ist meine Kirche, hier fühle ich mich wohl. Und vielleicht guckt sie in vierundzwanzig Jahren zurück und denkt „Wie schön, dass so viele junge Menschen gerne in die Erkrather Kirche gehen.“

Anke Herbrecht-Bunk