Pfarrer Herbrecht verabschiedet sich aus Erkrath

„Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg,
aber der Herr allein lenkt seinen Schritt“ 
(Sprüche Salomo 16, 9)

Mit diesem Bibelvers, den ich im Mai 1975 von meinem Vater zur Konfirmation zugesprochen bekommen habe, stellte ich mich 21 Jahre später, am 4. April 1996, in diesem Gemeindebrief vor, damals noch als Pastor im Sonderdienst zur Entlastung des Superintendenten Gottfried Henkys. Im gleichen TREFFPUNKT wünschte dieser mir ein „schnelles Einleben und eine gute Aufnahme in der Gemeinde“. Dass dies tatsächlich gelang, zeigte mir drei Jahre später die Wahl zu seinem Nachfolger als Pfarrstelleninhaber der III. Pfarrstelle unserer Kirchengemeinde, womit ich bei meinem Antritt im April 1996 noch gar nicht rechnen konnte: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber …“

Jetzt, im April 2021, wären es 25 Jahre geworden. Jahre für die ich mir 1999 im TREFFPUNKT Juni/August ´99 u.a. das Ziel setzte, „generationsübergreifende Kontakte in der Gemeinde zu stärken“ und dass das Pfarrhaus in der Falkenstraße weiterhin vielen Menschen offen stehen solle. 

Sowohl durch die regelmäßigen Sonntagsgottesdienste, wie auch Grundschulgottesdienste und Gottesdienste mit den weiterführenden Schulen, Arbeit mit den Kindern und Erzieherinnen unserer Kindertagesstätte Alt-Erkrath, Kindergottesdienste, die wir mit dem großen, treuen Ehrenamtler-Team zum monatlichem Familiengottesdienst ausbauen konnten, intensive Konfirmandenarbeit und Konfirmationen von fast genau 500 Jugendlichen mit Besuchen in deren Elternhäusern, Seelsorger der Bewohner und des Personals im Haus Bavier und Bodelschwingh, Kochen mit trauernden Männern in unserer Pfarrhausküche in enger Zusammenarbeit mit dem Franziskushospiz Hochdahl uvm., habe ich versucht, dieses mir selbstgesteckte Ziel zu verwirklichen. Ob mir dies in den vielen Jahren gelungen ist, mögen andere beurteilen.

Auch privat verbindet mich und meine Frau viel mit dieser unserer Kirchengemeinde. Hier haben wir im Joachim-Neander-Haus 1997 geheiratet, hier „bekamen“ wir 2012 unseren Sohn Leon als quasi echten „Erkrather Jongen“, hier haben wir unsere Elternteile immer wieder bei uns gehabt, aber leider auch teilweise beerdigen müssen. Und hier haben wir auch selber immer wieder Seelsorge und Begleitung aus der Gemeinde erfahren dürfen, nicht nur, aber besonders während meiner Erkrankung 2018/19.

Wir haben mit und für Gemeindekreise und Einzelpersonen immer ein offenes Pfarrhaus gelebt, so wie ich es 1999 angekündigt hatte,  wie es heute aber oft nicht mehr selbstverständlich ist. Wir wussten uns aber auch abzugrenzen, um für unser Tun in Schule und Gemeinde wieder Kräfte auftanken zu können. So haben wir hier in Erkrath Heimat gefunden. 

„Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber …“: Nun heißt es Abschied nehmen, bevor das silberne Jubiläum gefeiert worden wäre. Das Leitungsgremium hat sich der schweren Aufgabe der Pfarrstellenreduzierung auf Grund der zurückgehenden Gemeindegliederzahlen angenommen und entschieden. Da mein Herz nach wie vor aber für eine Gemeindepfarrstelle schlägt, kam für mich keine Tätigkeit in irgendeinem Verwaltungs- oder wechselndem Vertretungsbereich in Frage. So kann ich es als Fügung für mich und unsere Familie sehen, dass zeitgleich eine Pfarrstelle in Krefeld, wohin wir uns eigentlich erst für meine Pensionierung in 6,5 Jahren tatsächlich orientieren wollten, ausgeschrieben war. Dort konnte ich mich kurzentschlossen bewerben. Im Dezember 2020, wenige Tage vor Weihnachten, wurde ich dann einstimmig zum Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Alt-Krefeld gewählt. Nun liegen neue Aufgaben vor uns und ich bin sicher, dass wir uns dort, wo meine Frau ja schon seit mehr als 25 Jahren als Sonderschullehrerin arbeitet, schnell auch wieder zu Hause fühlen werden. 

Was wir leider nicht mitnehmen können sind die vielen Menschen, die uns ans Herz gewachsen sind. Vielfache Begegnungen werden uns in guter Erinnerung bleiben. Wir denken zurück in Dankbarkeit für all das, was wir hier mit Ihnen und euch erleben durften, – natürlich auch mit einem weinenden Auge. 

„Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber: … der Herr allein lenkt seinen Schritt“! Mit dieser, nicht erst seit dem 4. Mai 1975, immer wieder gemachten Erfahrung in meinem Leben, bin ich mir um die Begleitung Gottes auch auf unseren neuen Wegen in einer neuen, sicher ganz anderen Gemeinde sicher. Und dieses Erleben des Schrittelenkens Gottes und das sich darauf Verlassenkönnens, das wünsche ich meinen beiden ehemaligen Kollegen Pfarrerin Gisela Kuhn und Pfarrer Carsten Kern, dem Presbyterium als dem Leitungsorgan und all Ihnen und euch ganz persönlich! 

Behüt´ und begleite euch Gott. 

Ihr und Euer
Gerhard Herbrecht, jetzt Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Alt-Krefeld