Große Veränderungen für die Kirche und was ich dazu denke …

Das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche in Deutschland hat die Philosophiestudentin Anna-Nicole Heinrich zur neuen Präses gewählt. Mit einem Alter von 25 Jahren bei Amtsantritt ist sie die bislang jüngste Präses in der Geschichte der EKD-Synode. Heinrich folgt auf die ehemalige FDP-Bundesministerin Irmgard Schwaetzer, inzwischen 79 Jahre alt.

Was denke ich dazu?

Lassen Sie mich mit einer persönlichen Erinnerung beginnen: Erst kurz vor meinem Abitur wurde es Frauen ermöglicht, in unserer Landeskirche Pfarrerin mit den gleichen Rechten der männlichen Pfarrer zu werden. Und meine Generation war damals die Vorreiter-Generation. Heute gibt es mehr junge Frauen als Männer in den Pfarrämtern. Was damals gewagt wurde, hat sich also nachhaltig durchgesetzt.

Als ich hier im Alter von 28 Jahren ankam, trauten mir manche älteren Menschen keine Beerdigung zu und wünschten dafür lieber einen männlichen und älteren Pfarrer. Umgekehrt schätzte man die Unbefangenheit und unverbrauchten Ideen meiner Generation.

Inzwischen hat sich die Gesellschaft, die Kirche und die ganze Welt radikal verändert. In meiner Ausbildung kam das meiste von dem, was heute nötig ist für ein gelingendes Pfarramt, nicht vor.

Und ich finde den Satz so richtig: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Wie sehr wir derzeit die junge Generation verlieren, beweist das.

Ich halte Veränderung für anstrengend, aber unausweichlich. So trete ich dafür ein, unsere Gemeindearbeit vor Ort neu aufzuziehen, weil Altbewährtes an sein Ende gekommen ist.

Und ich merke, wie nun die jungen Menschen unverbrauchte Ideen einbringen und den Schwung haben, der nötig ist für den Weg in die Zukunft. Davon lasse auch ich mich gerne anstecken und lerne dazu, wo ich kann.

Sie ahnen schon, wie folgerichtig ich da diesen Wahlausgang finde. Eine 79jährige Ratsvorsitzende musste das Amt jetzt wohl unbedingt mal weitergeben – und ich bewundere, wie sie immer noch so geistesgegenwärtig diese Synode geleitet hat. Und bei dieser Wahl gleich eine Generation zu überspringen, ist mutig. Wer wagt, gewinnt.

Das kann für die neue Ratsvorsitzende wie für die EKD-Synode schiefgehen. Aber wenn es nicht gewagt würde, könnte noch mehr schief gehen. Der neuen EKD-Präses nehme ich ab, was sie sagt. Und ich hoffe, dass die Macht und der Erfolg sie nicht verderben – wie manch anderen, der in jungen Jahren groß raus kam. Ich traue ihr zu, dass sie bodenständig und bescheiden bleibt, die nötige Intelligenz scheint sie mitzubringen.

Biblisch fällt mir dazu ein, wie der Prophet Samuel den künftigen König Israels auswählen sollte nach Gottes Willen. Er besuchte den Vater Isai in Bethlehem und ließ sich nacheinander dessen fünf fabelhafte Söhne vorstellen, einer prächtiger als der nächste. Und auf wen fiel dann die Wahl? Ausgerechnet auf den sechsten, jüngsten, auf den nun niemand gewettet hätte: David (1. Samuel 16,1-13).

Auch die Wahl von Anna-Nicole Heinrich war so eine Überraschung! Möge Gott ihr Tun und seine Kirche segnen.

Gisela Kuhn