Evangelische Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann und Niederberg starten Aktenscreening zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt
Düsseldorf-Mettmann, 8. Januar 2026 – Die Evangelischen Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann
und Niederberg beginnen mit einer umfassenden Sichtung sämtlicher Personalakten aus den
vergangenen Jahrzehnten. Ziel ist es, systematisch mögliche Hinweise auf sexualisierte Gewalt
und andere Formen von Gewalt in kirchlichen Kontexten zu identifizieren und aufzuarbeiten.
Die Akten werden dabei nach definierten Kriterien geprüft, um auch verdeckte oder nur indirekt doku-
mentierte Verdachtsmomente sichtbar zu machen, etwa ungewöhnliche Versetzungen, Beschwerden
oder auffällige Personalwechsel. Wo sich ein Verdacht erhärtet, werden die Unterlagen an das
Landeskirchenamt weitergeleitet, das die Fälle der zuständigen Staatsanwaltschaft zur Prüfung vorlegt.
Unabhängiges Expertenteam
Mit der Sichtung der Akten ist ein externes, unabhängiges Team beauftragt, das sich aus erfahrenen
Fachleuten und ehemaligen Kriminalbeamten zusammensetzt. Dieses Team hat im vergangenen Jahr
bereits die Aktensichtung im Evangelischen Kirchenkreis Solingen durchgeführt und dort mehrere
Verdachtsfälle identifiziert, die an die Strafverfolgungsbehörden übergeben wurden.
Die Zusammenarbeit mit externen Expert:innen soll gewährleisten, dass die Prüfung nach
professionellen Standards erfolgt und mögliche Loyalitätskonflikte innerhalb der Kirche ausgeschlossen
werden. So sollen Transparenz und ein größtmöglicher Schutz der Betroffenen sichergestellt werden.
„Wir wollen alles daransetzen, Hinweise auf sexualisierte oder andere Gewalt konsequent zu klären und
daraus zu lernen“ sagt Wolfhard Günther, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises
Niederberg. „Nur eine Kirche, die Unrecht offen benennt und aufarbeitet, kann ein glaubwürdiger und
sicherer Ort für Menschen sein.“
Ziele und Verantwortung
Mit dem Aktenscreening stellen sich die Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann und
Niederberg der Verantwortung, vergangenes Unrecht konsequent aufzuarbeiten. Es
geht darum, Betroffenen Anerkennung ihres Leids zu verschaffen, Strukturen zu
benennen, die Missbrauch ermöglicht oder begünstigt haben, und daraus konkrete
Konsequenzen für Prävention und Personalverantwortung zu ziehen. „Mit der
Sichtung unserer Personalakten stellen wir uns unserer Verantwortung für das, was
in unseren Kirchenkreisen geschehen ist, auch dann, wenn es weh tut.“ betont
Rainer Kaspers, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf-
Mettmann. „Unser Ziel ist, dass Betroffene erfahren: Ihr Leid wird gesehen, ernst
genommen und nicht länger verdrängt.“
Die Kirchenkreise verstehen die Aufarbeitung als langfristigen Prozess, der über die reine Sichtung von
Akten hinausgeht. Präventionsschulungen, Schutzkonzepte in Einrichtungen und eine Kultur der
Aufmerksamkeit sollen dazu beitragen, dass Gewalt heute und in
Zukunft besser erkannt und verhindert wird.
Aufruf an Betroffene und Zeuginnen und Zeugen
Betroffene sowie Zeuginnen und Zeugen von sexualisierter oder anderer Gewalt im Bereich der
Kirchenkreise Düsseldorf-Mettmann und Niederberg werden ausdrücklich aufgerufen, sich zu melden.
Dies gilt für Vorfälle in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen, Verwaltungen, Einrichtungen und Diensten,
unabhängig davon, wie lange die Ereignisse zurückliegen.
Wer Gewalt erlebt oder beobachtet hat, wird ermutigt, sich vertrauensvoll an die Verantwortlichen in den
Kirchenkreisen oder an unabhängige Fachpersonen zu wenden. Meldungen werden vertraulich
behandelt; auf Wunsch können erste Gespräche anonym geführt werden.
Kontaktmöglichkeiten
Betroffene, Zeuginnen sowie Zeugen können sich an folgende Ansprechpersonen wenden, die für vertrauliche
Gespräche zur Verfügung stehen:
Ansprechstelle für den Umgang mit Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung der Evangelischen
Kirche im Rheinland:
Claudia Paul
Telefon 0211 4562-391
E-Mail: claudia.paul@ekir.de
Vertrauensperson beider Kirchenkreise:
Sonja-Christine Neuroth
Telefon: 0157 83988604
E-Mail: sonja_christine.neuroth@ekir.de
Externe Beratungsstelle:
Wildwasser Bielefeld e.V.
Telefon: 0521 5573466
E-Mail: ansprechstelle@wildwasser-bielefeld.de
Kontakt für Rückfragen:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann
Daniel Edlauer
Telefon: 02104 9701 31
oeffentlichkeitsreferat.mettmann@ekir.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Niederberg
Frank Wessel
Telefon: 02051 965432
frank.wessel@ekir.de




